Der Norwegische Lundehund

Der Norwegische Lundehund – Akrobat, Eigenbrötler und Wikingerhund im Mini-Format

Wenn man den Norwegischen Lundehund das erste Mal sieht, denkt man: „Ach, ein kleiner Spitz-Mix mit Fuchsgesicht.“ Doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein echtes anatomisches Wunderwerk – und eine Hunderasse, die wie aus einer anderen Zeit wirkt.

Denn dieser Hund wurde ursprünglich gezüchtet, um Papageitaucher von steilen Klippen und in engen Felsspalten Norwegens zu jagen. Dafür brauchte er Fähigkeiten, die kaum ein anderer Hund mitbringt. Der Lundehund ist also ein lebendes Fossil, ein kleiner Wikingerhund mit Eigenschaften, die so speziell sind, dass sie bis heute niemand nachbauen konnte.


Ursprung und Geschichte

Heimat und Entstehungsraum — rau, isoliert, auf’s Nötigste reduziert

Der Norwegische Lundehund entstand an den äußersten Küsten Norwegens — in jenen schroffen, windgepeitschten Insel- und Küstenlandschaften, die heute oft romantisch in Reiseprospekten erscheinen, damals aber schlicht Überlebensraum waren. In abgelegenen Fischerdörfern, auf winzigen Inseln und an Steilküsten entstanden Lebensweisen, in denen jede Ressource zählte. Die Menschen dort lebten von Fischen, von Seevögeln und von deren Eiern; alles, was sich verarbeiten ließ, wurde verwertet. Aus diesen harten, praktischen Lebensbedingungen entwickelte sich eine Hundform, die perfekt auf eine einzige, sehr konkrete Aufgabe zugeschnitten war.

Die ursprüngliche Aufgabe — kein „Hobby“, sondern Lebensmittelversorgung

Im Zentrum der Lundehund-Geschichte steht eine ganz prosaische Notwendigkeit: das Bergen von Seevögeln aus engen Felsspalten und Nischen. Papageitaucher, Trottellummen und andere Küstenvögel brüteten in Felshöhlen und Erdröhren, oft an schwindelerregenden Klippen. Menschen brauchten Hunde, die in solche Nischen krochen, die dort steckenden Vögel herausholten und unbeschadet wiederkehrten. Diese Hunde waren keine Spielkameraden — sie waren Werkzeuge gegen den Hunger. Ein verlässlicher Lundehund bedeutete Vorräte für den Winter, Daunen für Betten und Material zum Handeln. Kurz: er war Teil des Ökosystems Überleben.

Gesellschaftlicher Wert — nützlicher, nicht nur niedlich

In den engen Dorfgemeinschaften jener Küsten war der Hund ökonomisch relevant: er half bei der Sicherung von Nahrung und Rohstoffen. Das machte ihn wertvoll, nicht nur emotional, sondern ganz handfest. Familien, die sich auf Seevogelfang stützten, schätzten solche Hunde wie andere ihre Arbeitsgeräte. Manche Exemplare wurden hoch angesehen; ein besonders fleißiger Hund konnte das Überleben einer Familie sichern — das erklärt, warum die Rasse dort über Jahrhunderte erhalten blieb.

Die Rasse im Alltag — Rituale, Jahresrhythmus, Arbeitsteilung

Die Tätigkeit der Lundehunde war eingebunden in einen Jahresablauf: Brutzeiten, Sammelexpeditionen, Vorbereitung auf den Winter. Menschen, die auf den Inseln lebten, entwickelten Rituale und Arbeitsteilungen rund um den Fang von Seevögeln. Hunde waren Teil dieser Praxis: sie arbeiteten mit, wurden an das Arbeitsverhalten gewöhnt, und standen in enger Beziehung zu ihren Menschen. Die enge Verbindung von Hund, Mensch und Landschaft prägte sowohl soziale als auch kulturelle Muster — von Eigentumsverhältnissen bis zu Geschichten, Liedern und Anekdoten in den Dörfern.

Wandel durch Technik und Ökonomie — der langsame Rückgang des Jobs

Mit dem 19. und 20. Jahrhundert veränderten sich Fangmethoden, Handelswege und Lebensbedingungen. Netz- und Maschentechniken, veränderte Nachfrage, bessere Transportmöglichkeiten und staatliche Eingriffe reduzierten die Abhängigkeit vieler Küstenbewohner von traditionellen Fangmethoden. Parallel dazu zogen Menschen in größere Orte oder suchten andere Erwerbsformen. Die Folge: die praktische Notwendigkeit für hochspezialisierte Klippen-Hunde wurde kleiner — ihre Nische schrumpfte.

Isolation als Fluch und Segen — kleinräumige Erhaltung, aber auch Risiko

In einigen entlegenen Siedlungen hielten Menschen die Traditionen am Leben — gleichzeitig brachte die Isolation eine Gefahr mit sich. Wenn nur wenige Exemplare in einer kleinen Gemeinschaft existieren, kann ein einziger Unfall, eine Epidemie oder ein anthropogen bedingter Einschnitt dramatische Folgen haben. Die Rasse wurde dadurch extrem anfällig für lokale Katastrophen. Isolation konservierte einmal Merkmale, erzeugte aber auch eine prekäre genetische Situation: wenige Ahnen, viel Verantwortung.

Krisen und Beinahe-Auslöschung im 20. Jahrhundert

Der Lundehund erlebte im 20. Jahrhundert mehrere schwere Rückschläge. Infektionskrankheiten, veränderte Lebensbedingungen und einzelne dramatische Ereignisse führten zu tiefen Einbrüchen der Bestände. In manchen Dörfern überlebte nur eine Handvoll Tiere — das war der genetische Flaschenhals: die Population schrumpfte so stark, dass die verbleibenden Linien später die Grundlage für die komplette Wiederaufzucht bildeten. Historisch betrachtet eine dramatische Wende: vom Alltagstool zum sehr bedrohten Relikt in wenigen Jahrzehnten.

Dass der Lundehund bis heute existiert, ist Ergebnis des beharrlichen Einsatzes einzelner Züchter, Hundefreunde und manchmal auch Idealisten, die Exemplare sammelten, weiterzüchteten und vernünftig dokumentierten. Diese Initiativen waren weder glamourös noch einfach: es brauchte Geduld, Handarbeit, Kontrolle von Linien und oft finanzielle sowie logistische Opfer. Ohne diese Gruppenarbeit wären viele lokale Besonderheiten verschwunden — und mit ihnen die Rasse fast vollständig.

Vom Arbeitswerkzeug zum Kulturerbe — neue Aufgaben und Bedeutungen

Heute ist der Lundehund kaum noch als Arbeitstier im ursprünglichen Sinn gefragt. Stattdessen hat die Rasse eine andere Rolle angenommen: kulturhistorisches Zeugnis, Botschafter lokaler Traditionen, Liebhaberhund mit einer besonderen Geschichte. In Museen, bei Kulturveranstaltungen oder in Beiträgen über regionale Geschichte steht der Lundehund für eine Lebensweise, die viele Aspekte der Küstenkultur sichtbar macht. Aus einem praktisch eingesetzten Tier wurde ein lebendiges Stück Kulturgeschichte — mit emotionalem Wert, aber auch mit Schutzverpflichtungen.

Die Kombination aus historischer Isolation, starkem Rückgang und spezialisierter Herkunft macht die Erhaltungsarbeit komplex. Man muss historische Authentizität, kulturellen Wert und Gesundheit zusammenbringen — manchmal widersprechen sich diese Ziele. Erhaltungszucht bedeutet deshalb nicht nur „wir behalten alles wie früher“, sondern aktive Verwaltung: Auswahl, Dokumentation, gesundheitliche Tests und manchmal schwierige Entscheidungen über Kreuzungen, um langfristig zu überleben.

Der Lundehund ist ein Paradebeispiel dafür, wie eng Tierform und menschliche Kultur miteinander verwoben sein können. Seine Geschichte ist kein romantisches Märchen, sondern die Erzählung einer Notwendigkeit: wie Menschen Umwelt nutzten, anpassten und dabei Tiere formten, die genau das taten, was gebraucht wurde. Wenn wir heute von der Herkunft des Lundehundes erzählen, sprechen wir also über Landschaft, Wirtschaft, menschliches Einfallsreichtum — und den Preis, den Spezialisierung in einer sich verändernden Welt mit sich bringen kann.


Erscheinungsbild des Norwegischen Lundehundes

Der Norwegische Lundehund ist ein Hund, der auf den ersten Blick vielleicht aussieht wie ein kleiner Spitz, auf den zweiten Blick aber alles durcheinanderwirbelt, was wir über „normale“ Hunde zu wissen glauben. Klein, kompakt und wendig gebaut, bringt er in der Regel 7–9 kg auf die Waage und misst zwischen 32 und 38 cm Schulterhöhe – also handlich genug, um ihn im Zweifel unter den Arm zu klemmen, aber robust genug, um auf schroffen Küstenfelsen herumzuturnen, wo ein Mensch sich schon längst langgemacht hätte.

Fell und Farben

Sein Fell ist wetterfest, mittellang und doppelt geschichtet mit dichter Unterwolle – sozusagen das „Outdoor-Jäckchen“, das er immer dabei hat. Farblich bewegt er sich in allen Variationen, die man von spitzähnlichen Hunden kennt: rötlich-braun, weiß-schwarz gemischt, grau oder auch mit markanter Maske. Manche wirken wie kleine Füchse, andere erinnern an Mini-Wölfe – und alle tragen diesen wachen, leicht schelmischen Gesichtsausdruck, als würden sie gerade darüber nachdenken, ob sich das Sofa nicht auch als Brutfelsen für Papageientaucher eignet.

Das Gesicht

Apropos Fuchs: Der Kopf des Lundehundes ist spitz, elegant und aufmerksam, die dunklen, mandelförmigen Augen strahlen wache Intelligenz aus, und die aufgestellten, beweglichen Ohren machen ihn zum unübersehbaren „Horcher“. Doch diese Ohren sind nicht einfach nur hübsches Beiwerk – sie besitzen einen eingebauten Klappmechanismus. Ja, richtig gelesen: Er kann sie nach vorne und hinten dicht verschließen, sodass kein Wasser, Schmutz oder Wind hineinkommt. Im Prinzip trägt der Lundehund also seine eigenen Ohrstöpsel immer bei sich.

Das Besondere im Detail

Aber das eigentliche Alleinstellungsmerkmal steckt – buchstäblich – in den Pfoten. Jede Pfote ist mit sechs vollständig ausgebildeten Zehen ausgestattet, inklusive zusätzlicher Gelenke und Muskeln. Diese Sonderausstattung gibt ihm eine unfassbare Kletterfertigkeit: Er kann sich an Felsen festkrallen, als hätte er Bergsteigerausrüstung eingebaut. Während andere Hunde schon bei der ersten glitschigen Stelle aufgeben würden, hängt der Lundehund entspannt am Fels, als hätte er Saugnäpfe.

Damit nicht genug: Seine Gelenke sind extrem flexibel. Er kann die Vorderbeine seitlich abspreizen wie ein Frosch und seinen Kopf so weit in den Nacken legen, dass er mit der Nase fast die Wirbelsäule berührt. Dieses Bewegungswunder war überlebenswichtig, wenn er in die engen, dunklen Papageientaucherhöhlen kriechen musste – wo ein normaler Hund schlicht stecken bleiben würde. Der Lundehund dagegen? Schlängelt sich durch, als hätte er heimlich Yogastunden genommen.

Kurz gesagt: Der Norwegische Lundehund ist ein anatomisches Phänomen. Ein kleiner Hund mit dem Werkzeugkasten eines Bergsteigers, der Flexibilität einer Turnerin und den Ohren eines Ingenieurs. Kein Wunder, dass man ihn gern als „biologisches Kuriosum“ bezeichnet – er ist der Inbegriff des evolutionären Spezialisten.

👉 Und genau diese Einzigartigkeit macht ihn so faszinierend – ein Hund, der nicht nur hübsch aussieht, sondern dessen ganzer Körperbau auf eine Jahrhunderte alte Aufgabe zugeschnitten ist.


Charakter und Wesen des Norwegischen Lundehundes

Wer den Norwegischen Lundehund nur nach seinem Äußeren beurteilt, könnte meinen: „Ach, ein kleiner Spitz mit Sonderausstattung, bestimmt ein unkomplizierter Familienhund.“ – Falsch gedacht. Hinter den sechs Zehen, dem Fuchs-Gesicht und den klappbaren Ohren steckt eine Persönlichkeit, die man nicht in die üblichen Schubladen stecken kann. Der Lundehund ist ein echter Individualist – mit Ecken, Kanten und einer Portion liebenswerter Eigenart, die ihn so besonders macht.

Der Kopf denkt selbst

Der Lundehund ist intelligent, quirlig und neugierig. Aber Vorsicht: Diese Intelligenz bedeutet nicht, dass er sich begeistert in jede menschliche Idee fügt. Im Gegenteil – er hat seine eigenen Vorstellungen davon, wie die Welt zu laufen hat. „Will to please“, wie man es vom Labrador kennt? Fehlanzeige. Beim Lundehund könnte man eher von „Will to discuss“ sprechen. Er überlegt, wägt ab und entscheidet, ob er mitmacht – oder eben nicht.

Das bedeutet nicht, dass er ungehorsam ist. Vielmehr ist er unabhängig. Er ist der kleine Philosoph unter den Hunden: aufmerksam, analysierend und mit einem Blick, der zu sagen scheint: „Und was genau habe ich davon, wenn ich jetzt Sitz mache?“

Verspielt, quirlig – und eigenwillig

Der Lundehund ist lebhaft, verspielt und liebt Abwechslung. Er kann stundenlang Dinge untersuchen, Felsen erklimmen (oder notfalls das Sofa als Ersatzberg nutzen) und in seiner Umwelt stöbern. Gleichzeitig hat er aber auch eine recht eigenwillige Ader. Routine mag er – ja. Aber er möchte diese Routine gern selbst bestimmen. Er ist kein Hund, den man stumpf „abrichtet“. Vielmehr muss man mit ihm in eine Art Partnerschaft treten, in der er mitreden darf.

Nähe auf seine Art

In der Familie zeigt sich der Lundehund anhänglich und treu – aber auf seine Weise. Er sucht Zuwendung, entscheidet aber gern selbst, wann es Zeit für Kuscheln ist und wann er lieber seine Ruhe haben möchte. Er erinnert ein bisschen an eine Katze im Hundepelz: Nähe ja, aber bitte nicht auf Knopfdruck. Wer also ein pelziges Kuschelmonster sucht, das sich jederzeit bereitwillig in den Arm werfen lässt, wird enttäuscht sein. Wer aber Freude daran hat, ein selbstbestimmtes Wesen zu respektieren, bekommt einen loyalen, charmanten Gefährten.

Kinder und Familie

Mit Kindern kommt der Lundehund klar – wenn diese wissen, wie man mit Hunden respektvoll umgeht. Er ist robust genug, um nicht gleich beleidigt in die Ecke zu gehen, aber er ist kein Plüschhund zum Herumzerren. Mit hundeerfahrenen, ruhigen Kindern kann er ein toller Gefährte sein, der beim Spielen begeistert dabei ist. Bei wildem Gezerre oder lautem Getobe zieht er sich allerdings gern zurück. Sein Motto: „Ihr macht das mal – ich komme dazu, wenn’s spannend wird.“

Fremde und Wachinstinkt

Gegenüber Fremden ist der Lundehund misstrauisch und beobachtend. Er ist kein Hund, der sofort alle Besucher schwanzwedelnd begrüßt. Vielmehr scannt er die Situation – und entscheidet dann, ob er Kontakt aufnehmen möchte. Als Wachhund taugt er insofern, dass er zuverlässig meldet, wenn sich etwas Ungewöhnliches tut. Aber man sollte keine Schutzhundqualitäten erwarten: Er bellt, warnt – und überlässt den Rest dann doch lieber den Zweibeinern.

Rudelhund durch und durch

Im Kern ist der Norwegische Lundehund ein Dorfhund geblieben. Er fühlt sich am wohlsten in einem sozialen Gefüge – sei es mit Menschen oder mit Artgenossen. Er liebt es, Teil einer Gemeinschaft zu sein, gleichzeitig aber auch seine Rückzugsmöglichkeiten zu haben. Mehrere Hunde im Haushalt? Für den Lundehund kein Problem, im Gegenteil, oft sogar ideal. Er braucht nicht rund um die Uhr Action, aber er möchte nicht das Gefühl haben, allein auf der Welt zu sein.

Fazit zum Wesen

Der Lundehund ist ein liebenswerter Exzentriker: verspielt, klug, eigensinnig und charmant – solange man ihn als das akzeptiert, was er ist: ein Hund, der sich nicht anpasst, sondern seinen eigenen Kopf hat. Wer klare Strukturen, Humor und Geduld mitbringt, wird mit einem Gefährten belohnt, der durch seine Eigenart einzigartig bleibt.

👉Mit einem Lundehund lebt man nicht „mit Hund“, sondern mit einer eigenständigen kleinen Persönlichkeit, die immer wieder für Überraschungen sorgt – und genau das macht seinen Reiz aus.


Haltung und Anforderungen des Norwegischen Lundehundes

Der Norwegische Lundehund ist ein Hund, der auf wunderbare Weise zeigt, dass „selten“ nicht automatisch „einfach“ bedeutet. Mit seiner jahrhundertealten Spezialisierung, seinem Dickkopf und seiner sensiblen Ader ist er definitiv kein Hund für jedermann. Wer sich aber auf ihn einlässt, wer seine Eigenarten nicht nur erträgt, sondern aktiv schätzt, der gewinnt einen Gefährten, der in Sachen Charakter und Originalität seinesgleichen sucht.

Bewegung: Der kleine Bergsteiger im Hundepelz

Der Lundehund ist kein Marathonläufer. Sie müssen ihn nicht mit 30 Kilometern am Fahrrad durch die Landschaft scheuchen – er würde sich vermutlich unterwegs ohnehin weigern und lieber eine interessante Felswand erkunden. Aber Bewegung braucht er, und zwar täglich. Lange Spaziergänge, Wanderungen über Stock und Stein, kleine Kletterpartien – das ist sein Element.

Seine Geschichte als Klippenjäger ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Er liebt unwegsames Gelände, felsige Hügel, Wurzeln und alles, was ihm die Gelegenheit gibt, seine sechste Zehe einzusetzen. Wer also in einer bergigen Gegend oder zumindest in Waldnähe lebt, hat ideale Bedingungen. In flachen, strukturlosen Feldern läuft er zwar auch mit – aber die Begeisterung hält sich spürbar in Grenzen.

Geistige Auslastung: Kopfkino für den Tüftler

Ein Lundehund ohne Kopfarbeit ist wie ein Buch ohne Seiten – er wirkt irgendwie unvollständig. Dieser Hund will gefordert werden. Nasenarbeit ist ideal: Suchspiele, versteckte Leckerchen, kleine Fährten im Garten oder Wald – das weckt seinen Jagdinstinkt und bringt ihn zum Strahlen.

Auch kleine Tricks und Geschicklichkeitsübungen liebt er, solange sie nicht zu monoton werden. Ein Lundehund ist klug, aber kein Fan von Wiederholungen. Zehnmal „Sitz“? Langweilig. Einmal „Rolle“, einmal „Pfote“, dann ein Suchspiel und ein kleines Hindernis – das klingt schon eher nach seinem Programm.

Man darf also kreativ werden: Mit einem Lundehund hat man quasi einen vierbeinigen Escape-Room-Fan zu Hause, der ständig neue Rätsel gelöst haben möchte.

Umfeld: Landleben bevorzugt

So robust er körperlich ist, so sensibel reagiert er auf seine Umgebung. Lärm, Hektik und ständige Reizüberflutung machen ihn nervös. In einer lauten Großstadtwohnung mit Dauerverkehr, Sirenen und Menschenmassen wird er unglücklich. Er ist ein Naturhund, der das Landleben liebt: viel Platz, Ruhe, frische Luft und Möglichkeiten, sich frei zu bewegen.

Ein Haus mit Garten ist ideal, wobei der Garten bitte sicher eingezäunt sein sollte – der Lundehund ist geschickt genug, kleine Schwachstellen sofort zu erkennen und als persönlichen Ausgang zu interpretieren. Wohnungshaltung kann funktionieren, aber nur, wenn viel Ausgleich in Form von Spaziergängen und Rückzugsmöglichkeiten gegeben ist.

Alleinsein: Rudel statt Einzelkämpfer

Der Lundehund ist ein Rudelhund durch und durch. Alleinsein empfindet er nicht als „nette Abwechslung“, sondern als ernstes Problem. Viele Lundehunde neigen dazu, lautstark zu protestieren oder sich unglücklich zurückzuziehen, wenn sie allein gelassen werden.

Wer also beruflich den ganzen Tag unterwegs ist, sollte von dieser Rasse besser Abstand nehmen – oder zumindest eine Lösung parat haben (Hundebetreuung, Mitnahme ins Büro, zweiter Hund).

Ein Tipp aus der Praxis: Zwei sind besser als einer

Viele Halter berichten, dass Lundehunde im Doppelpack deutlich ausgeglichener sind. Sie fühlen sich im sozialen Verbund einfach wohler, können miteinander spielen, sich gegenseitig Gesellschaft leisten und so die Trennung vom Menschen leichter ertragen. Wer also mit dem Gedanken spielt, einen Lundehund zu adoptieren, sollte ernsthaft überlegen, gleich zwei zu nehmen.

Das klingt nach doppelter Arbeit – ist es aber oft nicht. Im Gegenteil: Zwei Lundehunde beschäftigen sich miteinander und sorgen dafür, dass sich ihr Charakter voll entfalten kann.

Der Norwegische Lundehund ist kein Hund, den man „nebenbei“ hält. Er fordert Zeit, Verständnis, Kreativität und ein Umfeld, das ihm gerecht wird. Wer ihm das bieten kann, bekommt keinen Hund „wie alle anderen“, sondern einen Gefährten, der mit seinen Eigenarten begeistert und mit seiner Eigenwilligkeit charmant herausfordert.

👉 Ein Lundehund ist kein Hund für Couch-Potatoes oder Kontrollfreaks, sondern für Menschen mit Humor, Geduld und einem Herz für das Ungewöhnliche.


Gesundheit des Norwegischen Lundehundes

So einzigartig, charmant und faszinierend der Norwegische Lundehund auch ist – seine Seltenheit hat leider einen hohen Preis. Während andere Rassen vielleicht mit Hüftproblemen oder Allergien kämpfen, trägt der Lundehund ein ganz eigenes gesundheitliches Päckchen mit sich herum. Und hier kommt die ehrliche Wahrheit: Wer sich für ihn entscheidet, muss bereit sein, sich intensiv und dauerhaft mit dem Thema Gesundheit auseinanderzusetzen.

Der genetische Flaschenhals

Der Lundehund gehört zu den seltensten Hunderassen der Welt – es gibt nur wenige Tausend Tiere. Diese Seltenheit ist ein Resultat seiner fast vollständigen Ausrottung im 20. Jahrhundert, als die traditionelle Papageientaucherjagd verboten wurde und nur eine winzige Restpopulation überlebte. Aus diesen wenigen Tieren wurde die heutige Population aufgebaut – ein genetischer Flaschenhals, der kaum Spielraum lässt.

Das bedeutet: Die Rasse leidet unter extremer Inzucht. Viele Probleme lassen sich nicht „herauszüchten“, weil schlicht die genetische Vielfalt fehlt.

Das Lundehund-Syndrom – die große Herausforderung

Die gesundheitliche Hauptsorge dieser Rasse ist das berüchtigte Lundehund-Syndrom. Dahinter verbirgt sich eine chronische Magen-Darm-Erkrankung (medizinisch meist als Protein-losing Enteropathy bezeichnet), die in verschiedenen Schweregraden auftreten kann.

Typische Symptome:

  • immer wiederkehrender Durchfall
  • Erbrechen
  • Blähungen und Bauchschmerzen
  • Gewichtsverlust trotz Futteraufnahme
  • Nährstoffmangel, Schwäche, erhöhte Infektanfälligkeit

Die Krankheit kann mild verlaufen – mit gelegentlichen Schüben, die sich managen lassen. Sie kann aber auch schwer und lebensbedrohlich ausfallen. Manche Hunde erreichen ein hohes Alter mit guter Betreuung, andere kämpfen ihr Leben lang.

Ernährung – der Schlüssel zum Überleben

Viele Lundehunde benötigen lebenslang eine angepasste, oft sehr spezielle Ernährung. Fettarm, hochverdaulich, manchmal streng auf bestimmte Eiweiße beschränkt, häufig ergänzt durch Spezialfutter vom Tierarzt. Manche Halter schwören auf selbstgekochte Schonkost, andere auf bestimmte Diäten, die individuell getestet werden müssen.

Das bedeutet für die Praxis: Futterumstellungen, Versuch und Irrtum, viele Gespräche mit Tierärzten – und immer ein Plan B im Schrank. Wer einen Lundehund hält, muss bereit sein, sich intensiv mit der Ernährung auseinanderzusetzen, denn kleine Fehler können große Folgen haben.

Tierärzte mit Rasseerfahrung – Gold wert

Nicht jeder Tierarzt kennt sich mit dem Lundehund und seinem Syndrom aus. Viele Symptome ähneln anderen Erkrankungen, was schnell zu Fehldiagnosen führt. Wer einen Lundehund hat, sollte unbedingt einen Tierarzt oder eine Klinik suchen, die Erfahrung mit dieser Rasse und ihrer Problematik hat. Manchmal bedeutet das längere Fahrten – aber es lohnt sich.

So niedlich der Gedanke an einen seltenen, charmanten „Kuriositätenhund“ ist – man darf die Kosten nicht unterschätzen. Spezialfutter, häufigere Tierarztbesuche, mögliche Medikamente: All das summiert sich. Wer sich für einen Lundehund entscheidet, sollte ganz klar ein finanzielles Polster einplanen.

Sonstige Gesundheitsthemen

Neben dem Syndrom gilt der Lundehund grundsätzlich als robust, was Bewegungsapparat oder Fell betrifft. Hüftdysplasie oder typische Gelenkprobleme sind nicht sein Hauptthema – dafür ist er zu klein und zu leicht gebaut. Auch das Fell ist pflegeleicht. Die eigentliche Herausforderung liegt fast ausschließlich im Verdauungstrakt.

Fazit zur Gesundheit

Der Norwegische Lundehund ist ein medizinisches Abenteuer auf vier Pfoten. Seine genetische Einengung macht ihn besonders anfällig, vor allem für das Lundehund-Syndrom. Wer ihn liebt, akzeptiert das – und bringt Geduld, Wissen, Organisation und auch Humor mit, wenn mal wieder alles „anders läuft“.

👉Gesundheitlich ist er kein Hund für Anfänger oder Sparfüchse, sondern für Menschen, die bereit sind, sich auf eine intensive Beziehung einzulassen – mit Fürsorge, Sachkenntnis und oft auch einer Prise Improvisation.


Für wen ist der Lundehund geeignet – und für wen besser nicht?

Der Lundehund ist kein Hund, den man „mal eben so nebenbei“ hält. Wer einen Hund sucht, der wie ein Schweizer Taschenmesser rundum funktioniert und jedem Menschen auf Anhieb gefällt, sollte besser zweimal überlegen. Dieser kleine Wikinger unter den Hunden hat seinen eigenen Kopf, eine Meinung zu fast allem und eine Art, die manchmal an ein mittelalterliches Raubtier erinnert – charmant, eigensinnig und mit einem Schuss Chaos.

Ideal für Menschen, die:

  • Hunde lieben, die nicht „Everybody’s Darling“ sind und deren Eigenheiten man wie ein besonders skurriles Kunstwerk zu schätzen weiß.
  • Eigenständigkeit nicht nur akzeptieren, sondern feiern – der Lundehund hat gern das letzte Wort, und oft auch das erste.
  • bereit sind, Zeit, Herzblut und eine Portion Humor in Pflege, Training und Gesundheit zu investieren. Das Lundehund-Syndrom und andere Eigenheiten verlangen Aufmerksamkeit – wer nur ein bisschen Kuscheln und Fotos will, wird hier an Grenzen stoßen.
  • Freude daran haben, einen Hund zu besitzen, der mit seiner schrägen, wuseligen Art Herzen im Sturm erobert, selbst wenn er dabei ab und zu Möbel als persönliche Hürden betrachtet.

Nicht geeignet für Menschen, die:

  • einen unkomplizierten Anfängerhund suchen – dieser Hund kommt mit einer Bedienungsanleitung, die länger ist als ein Krimi von Agatha Christie.
  • Wert auf absolute Gehorsamkeit legen – der Lundehund hat eine eigene Definition von „Folgsamkeit“. Oft bedeutet das: „Ich folge… vielleicht… irgendwann.“
  • mit Bellfreude, Eigenwilligkeit oder kleinen Eskapaden schlecht umgehen können – dieser Hund bellt, hüpft, kichert innerlich (ja, Hunde können kichern!) und testet Grenzen wie ein echter Wikinger seine Beute.

Kurz gesagt: Wer bereit ist, auf Herz und Humor zu setzen, wer sich auf einen kleinen, pelzigen Rebell einlassen möchte und Freude an skurriler, nordischer Hundepersönlichkeit hat, findet im Lundehund einen Begleiter, der alles andere als langweilig ist. Wer das nicht möchte, sollte lieber einen Terrier, Labrador oder – sagen wir – einen goldigen Couch-Potato-Hund in Betracht ziehen.


Der Lundehund: Ein Abenteuer auf vier Pfoten

Der Norwegische Lundehund ist wie ein seltener Oldtimer aus einem verschneiten Fjord: wunderschön anzusehen, faszinierend in seiner Geschichte und voller kleiner Geheimnisse – aber man muss ihn pflegen, warten und ab und zu auch mal sanft schütteln, damit er wieder rund läuft. Wer glaubt, hier einen „perfekten Allrounder“ zu bekommen, der Hunde können wie ein Schweizer Taschenmesser alles gleichzeitig: falsch gedacht! Dieser kleine Wikinger kommt mit Ecken, Kanten, einem drolligen Eigenwillen und einer Art Turnerausbildung, die ihn zu einem Meister im Klettern, Balancieren und gelegentlichen Chaos macht.

Er wird dich zum Lachen bringen, wenn er mit allen vier Pfoten gleichzeitig durch die Wohnung springt. Er wird dich manchmal zur Verzweiflung treiben, wenn er seine ganz eigene Vorstellung von „Training“ hat. Und er wird dir immer wieder zeigen, dass Hunde nicht dafür gemacht sind, in Schubladen zu passen – sie sind dafür gemacht, uns zu überraschen, zu inspirieren und gelegentlich auch herauszufordern.

Ein Lundehund ist kein Hund, den man einfach „hält“ – er ist ein Erlebnis. Ein Hund, der dich dazu bringt, genauer hinzusehen, deine Geduld zu testen, deinen Humor zu schärfen und dein Herz immer wieder neu zu öffnen. Er ist der kleine nordische Rebellen-Admiral in deiner Familie, der dir zeigt: Ordnung ist nett, Abenteuer ist besser.

Kurz gesagt: Der Lundehund ist ein Hund für Liebhaber, Sammler, Abenteurer und Menschen, die das Besondere lieben. Wer sich auf ihn einlässt, bekommt keinen Hund, der sich fügt – sondern einen treuen, schrägen Freund, der jedes Zuhause zu einem lebendigen, lauten und liebevollen Chaos macht.

Oder, wie ein Norweger vielleicht sagen würde, mit einem Augenzwinkern:
„Kein Hund. Ein Abenteuer auf vier Pfoten – und manchmal ein kleiner Muskelprotz im Wohnzimmer.“


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